Chronik von 2006

60 Jahre Posaunenchor in Bad Bodenteich

horst nimtz


Bei dem Wort Posaunenchor denken viele Leute sofort an Weihnachten, an die verschiedenen Konfirmationen oder andere besondere Gottesdienste, an Kirchentage. „Wenn am Heiligen Abend der Posaunenchor spielt, dann ist für mich erst richtig Weihnachten“, sagte mir eine Frau, und Ähnliches hörte ich auch von anderer Seite. Tatsächlich, die Bläserinnen und Bläser können den Gottesdiensten eine besondere Weihe geben, sie können zur Verkündigung des Evangeliums einen festlichen Rahmen geben, wobei der Choral nach wie vor an erster Stelle steht. Die Choräle sind etwas Bleibendes in unseren Kirchen, und die Posaunenchöre sind es auch. Wenn wir nun heute über das 60-jährige Bestehen des Posaunenchores etwas sagen wollen, so kann man 60 Jahre unmöglich in ein paar Minuten einfangen . Es gab allerdings den Posaunenchor Bodenteich schon 1927.

Doch hatte er nach einer Blütezeit in den 30-er Jahren unter dem Hitler-Regime seine Tätigkeit ganz eingestellt.

1946 kehrte Rudolf Schulze, ein passionierter Bläser, nach seiner Gefangenschaft nach Bodenteich zurück. Schnell wurde durch ihn die Keimzelle zu einem neuen Posaunenchor gelegt, und bald hatte der seinen ersten öffentlichen Auftritt im Gottesdienst. Die Leitung übernahm Willy Nagel, der schon früher einen Posaunenchor geleitet hatte. Dieser Posaunenchor machte auch Marschmusik, marschierte dazu und veranstaltete Dorfabende mit Volksliedern, Marschmusik und Vortragsstücken. Pastor Endemann sah diese weltliche Entwicklung mit einigem Missvergnügen, und als Pastor Friese 1959 nach Bodenteich kam, platzte ihm bei dem Lied „Alle Tage ist kein Sonntag“ der Kragen, und er löste den Posaunenchor auf.

Rudolf Schulze, der 1967 wieder nach Bodenteich kam, sah die Scherben, begann unverdrossen erneut mit dem Wiederaufbau, übernahm die Leitung, und schon am 4. Advent 1967 war der Posaunenchor wieder im Gottesdienst zu hören und danach bei vielen anderen Gelegenheiten.

1975 übernahm Pastor Werner Klipp, ein Bläser von Jugend auf, die Leitung des Posaunenchores, denn Rudolf Schulze zog fort. 1978 war der Chor auf 8 Bläserinnen und Bläser zusammengeschmolzen, nahm aber dennoch seine Aufgaben wahr. Doch im September begannen 8 Neuanfänger aus dem Soltendiecker Raum mit der Bläserausbildung und dabei waren 5 Anfänger aus der Familie Nimtz, also auch ich, obgleich ich fast 50 Jahre alt war. (Es ist nie zu spät.) Die Ausbildung übernahmen Pastor Klipp und Ernst Hieke, ein ehemaliger Berufsmusiker. Etliche Bläser fuhren außerdem regelmäßig nach Knesebeck zu einem Förderkreis unter Sprengelposaunenwart Heinrich Gades. 1981/82 ging es weiter bergauf. In Bodenteich bildete Pastor Klipp und später Diakon Göttling Anfänger aus.
In Soltendieck lernten 19 Schüler meiner Klasse 4 das Blasen, etliche Erwachsene kamen hinzu. Es fehlten aber Instrumente. Eine Haussammlung im Soltendiecker Raum, weitere Spenden und ein Zuschuss der politischen Gemeinde erbrachten über 12 000.- DM . Dazu stellte Pastor Klipp fleißig und unermüdlich bei allen möglichen und unmöglichen Instanzen Anträge auf Zuschüsse , handelte 20% Nachlass beim Kauf heraus, und die Instrumente waren da.

Am 31. Juli 1983 verließ Pastor Klipp Bodenteich, und ich übernahm die Chorleitung. Der Bodenteicher Stammchor umfasste zu dem Zeitpunkt 12 Bläserinnen und Bläser, 1984 kamen die 6 Bodenteicher Anfänger dazu.
Nun gestalteten wir zusammen mit dem Flötenkreis und dem Gemischten Chor Soltendieck eine Musikalische Vesper, bei der 37 Anfänger aufgenommen wurden. Mit 49 Mitgliedern hatte der Posaunenchor seinen Höchststand erreicht, der aber aus unterschiedlichen Gründen kontinuierlich sank.
Seit 1987 hat der Posaunenchor übrigens auch einen gewählten Vorstand.

Neben den normalen Bläsereinsätzen fallen im Rückblick auf die folgenden Jahre auch besondere Ereignisse auf. Dazu gehören in den 80-er und 90-er Jahren mehrere Musikalische Vespern in Bodenteich, außerdem in Kirchweye, Veerßen und Dähre. Der Posaunenchor hatte ja nach der Grenzöffnung sofort Kontakte zu Pastor Kernbach von der Kirchengemeinde Dähre aufgenommen und dort mehrfach bei besonderen Gottesdiensten geblasen.

Eine Freundschaft zum Posaunenchor Schwarmstedt führte zu gemeinsamen Bläsergottesdiensten in Schwarmstedt und Bodenteich. Es sind weiter zu nennen Hochzeiten, Silberhochzeiten, Goldene Hochzeiten, Beerdigungen, Ständchen zu besonderen Geburtstagen, Ordinationen und Einführungen von Pastoren und Kirchenmusikern, 150 Jahre St. Petri (1986) , 125 Jahre Kreissparkasse Uelzen (1986), 700 Jahre Soltendieck (1989), 50 Jahre Posaunenchor (1996), Feldgottesdienste der Feuerwehr, Volkstrauertag, Erntefeste, Dorfabende u.a.m.

Etliche Bläserinnen und Bläser nahmen an Fortbildungen und Freizeiten teil, unter anderem in Mittersill, Potshausen, Leutershausen, in der Bretagne, im Harz, natürlich auch an Kreis-, Sprengel-, Landesposaunenfesten und Kirchentagen, ebenso regelmäßig am Regionalen Bläserkreis unter Horst-Dietrich Schlemm und Günter Marstatt, am Förderkreis in Uelzen unter den Sprengelposaunenwarten Henner Jung und Ulf Pankoke.

Die Mitgliederzahl hatte sich seit 1984 kontinuierlich weiter nach unten entwickelt. Viele Jugendliche waren in den Beruf gegangen, zum Teil verzogen, etliche Mitglieder hatten aus anderen Gründen aufgegeben. Waren es 1990 noch 24 Bläserinnen und Bläser gewesen und hatte sich die Zahl 20 bis 1994 gehalten, so sank sie bis 2000 auf 11. Alle Versuche, den Chor erneut zu beleben, schienen zu scheitern, so dass wir uns entschlossen, einige Instrumente zu verkaufen. In diesem Zustand einer gewissen Resignation sagte ich ähnlich wie Don Camillo: „Lieber Gott, wir haben alles versucht. Nun sieh du mal zu. Es ist ja auch dein Posaunenchor.“
Und er sah zu!

Eines Tages kam Christel Ritzer und sagte: „Du, ich habe neue Bläser: meine Kids und zwei Freundinnen und ein paar Erwachsene - und meinen Mann bearbeite ich auch noch.“ Ja, somit konnten wir erneut mit der Anfängerausbildung beginnen, und Ende 2004 zählte der Posaunenchor schon wieder 19 Mitglieder.

Im Januar 2005 beendete ich nach 21 Jahren meine Chorleitertätigkeit. Nun ist es aus vielerlei Gründen nicht ratsam, dass der alte Chorleiter weiterhin im Chor bläst. Daher bin ich mit guten Wünschen für den Chor ausgeschieden. Christel Ritzer hatte inzwischen die Chorleiterprüfung abgelegt und übernahm den Chor. Und dazu wird sie nun etwas sagen.

Horst Nimtz 7.Juli 2006

horst nimtz

Wie es dann weiterging mit dem Posaunenchor - steht alles in den nächsten Seiten!

Viel Spaß beim Surfen!

 

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